Es mag zynisch klingen, aber letztlich hätte das Homo-Mahnmal im Berliner Tiergarten seinen Zweck gar nicht besser erfüllen können. Gerade mal 81 Tage nach seiner feierlichen Eröffnung ist es am vergangenen Samstag geschändet worden – und landete damit in allen Medien. Unbekannte zertrümmerten die Glasscheibe, hinter der ein Videofilm mit einem Männerkuss in Endlosschleife zu sehen war. So wird überdeutlich: Wo homosexuelles Leben offen zu Tage tritt, droht noch immer Gewalt. Als vergangene Woche ein schwuler Mann – ebenfalls im Tiergarten – ins Koma geprügelt wurde, berichtete die Tagesschau nicht. Manchmal muss offenbar erst ein Denkmal Schaden nehmen, damit ein Thema die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. TIMM-Reporter Tobias Körner war bei der Mahnwache im Tiergarten dabei.
Einem Homosexuellen sollte man besser nicht die Hand schütteln. So steht es in der April-Ausgabe des arabisch-türkisch-deutschen Anzeigenblattes Al-Salam, das in Berlin und im Internet unters Volk gebracht wird. Der Grund: „Man weiß nie, was für Bakterien und Keime sich an seiner Hand befinden und Verderben bringen könnten.“ Der Prophet Mohammed habe außerdem erklärt, dass Homosexuelle Männer umgebracht werden sollten.
Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg hat den Artikel schwer verurteilt und erwägt eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung. Die TIMM-Reporter Tobias Körner und Michael Scheibe brachen derweil auf nach Berlin-Kreuzberg – um den muslimischen Mitbürgern die Hand zu reichen.
Wer kennt das nicht: In der Eile des Alltags landet eine Mail beim falschen Adressaten. Je nachdem, was drinsteht, kann das ganz schön peinlich werden. Diese Erfahrung machten kürzlich auch Berliner Polizeibeamte. Sie mokierten sich in E-Mails darüber, dass Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch zum CSD die Regenbogenfahne vor dem Präsidium hissen ließ und schickten ihre homophoben Lästereien irrtümlich an alle Berliner Polizisten – ihren Präsidenten eingeschlossen. Der machte die Mails umgehend zur Chefsache und bestellte die Beamten zum Gespräch. Klar, dass auch TIMM-Reporter Michael Scheibe sich daraufhin mit Dieter Glietsch traf.
Transparente gegen die Todesstrafe mussten draußen bleiben, als Barack Obama am Donnerstag seinen großen Auftritt hatte – an der Siegessäule (!), nachdem das Brandenburger Tor ihm verwehrt worden war. Abweichende Meinungen passten eben nicht zur großen Wahlkampfinszenierung des Präsidentschaftskandidaten. Mit der Regenbogenfahne kamen wir allerdings durch. Kein Wunder, denn für Schwule und Lesben hat Obama einige attraktive Wahlversprechen im Gepäck. So waren auch viele Schwule vor Ort, um dem neuen Popstar der Weltpolitik zuzujubeln. Und manche, nun ja, himmelten ihn sogar richtig an. Tobias Körner und Michael Scheibe spürten einen Hauch von CSD, als sie auf der Fanmeile unterwegs waren.
Vergessen Sie Mykonos, Gran Canaria und Key West – ab sofort bucht man Gay Island. Kennen Sie nicht? Dann folgen Sie doch bitte für ein paar Minuten unserem hart gesottenen Reporter Wolfram Emter nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort hat nämlich der Berliner Verein „Gemeinsam mehr e.V.“ (www.gemeinsammehr.de) im Juli zum ersten Mal zum schwullesbischen Insel-Camping geladen. Der Name ist Programm, man musste nicht mal Vereinsmitglied sein, um am einwöchigen Sommerurlaub unter Gleichgesinnten teilzunehmen. Schade nur, dass der Sommer nicht ganz mitspielte. Und die Insel ist auch irgendwie anders als andere Inseln. Aber sehen Sie selbst: Das Homo-Paradies ist machbar – man muss nur wirklich wollen.
Ein Sekt am Empfang, eine Videobrille zur Unterhaltung und abends gerne mal `ne Party: Das ist die Zahnarztpraxis KU64 am Kurfürstendamm in Berlin. Inhaber Dr. Stephan Ziegler steht auf entspannten Kontakt zu seinen Kunden – und auf Style. Deswegen sieht sein Domizil natürlich auch nicht aus wie eine Zahnarztpraxis, sondern eher wie ein schicker Club im Szene-Bezirk Mitte. Und statt sich während der Fashion Week aufs Bleichen zu beschränken, lud der Designer-Dentist am Freitag zur Modenschau. Auf dem Praxis-Laufsteg ging der Fuchs ab – präsentiert wurden die Öko-Pelze des Berliner Modemacher Nikolas Gleber. Der letzte Schrei? Oder vollkommen geschmacklos? Michael Scheibe und Sergej Melnikow (Kamera) waren für TIMM zur Kontrolluntersuchung.